Street View – wie Google unsere Privatsphäre aufs Spiel setzt

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Seit einigen Monaten geht es immer wieder durch die Presse: Googles Street View ist nicht sonderlich beliebt! In den U.S.A. beschwerten sich vor einiger Zeit Besitzer eines Hauses mit großem Grundstück, dass das Google Street View Fahrzeug auf das Grundstück den gesamten Weg bis zu dem etwas weiter zurückliegenden Haus gefahren sei, um dessen Front zu fotografieren.
In Deutschland gehen die Proteste etwas weiter. Viele Menschen sind hier im für Datenschutz empfindlichen Deutschland auf die Barrikaden gegangen. In einigen Städten wurde Google sogar einstweilig untersagt Aufnahmen für Street View zu mache. Vor kurzem nannte die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) Street View eine “millionenfache Verletzung der Privatsphäre”.

Wo ist eigentlich das Problem, wird sich manch einer fragen. Wieso erhitzen sich daran so die Gemüter. Für manche ist das Interesse eine Straße nicht nur von oben durch Satellitenbilder zu sehen sondern direkt in die Straßenzüge und auf die Häuserfronten blicken zu können ein selbstverständliches. Wie wird sich unser Verhalten durch so ein System auf Dauer verändern? Wir werden bei einer Wohnungssuche vorher die Straße anschauen können, wie es dort aussieht, dasselbe gilt im Urlaub für die Lage eines Hotels oder wenn wir zu einem Termin müssen und die Gegend noch nicht kennen. Hört sich alles sehr verlockend an. Die Interaktivität zwischen der realen Welt und der Person im virtuellen Raum öffnet neue Türen und Möglichkeiten. Kein Wunder, dass Google hier investiert. Wer z. Bsp. an Werbung denkt wird sich ganz neue Möglichkeiten für kontextabhängige Werbung vorstellen können. Der Kontext wäre hier die aktuelle Position innerhalb der Karten. Ein Café oder ein Hotel könnte hier werben, um den fremden Besucher der sich über die Lage informieren möchte auf sich aufmerksam zu machen.

Da ist aber noch die andere Seite der Medaille. Google verspricht Autokennzeichen und Gesichter unkenntlich zu machen, um die Privatsphäre zu schützen. Ilse Aigner, Bundesverbraucherministerin (CSU) hält dagegen, dass alleine das Fotografieren ganzer Häuserfronten und Erdgeschossfenster mit Vorgärten, Türen und ggf. Alarmanlagen eine Verletzung der Privatsphäre darstellt und bekommt von den Verbraucherzentralen Rückendeckung. Diese befürchten, dass sich Einbrecher vorab ohne sich zum Observieren auf die Lauer legen zu müssen bequem von zu Hause die Häuser auskundschaften könnten, die ihnen besonders interessant erscheinen. Dabei könnte geschaut werden ob eine Alarmanlage sichtbar ist, wo man sich gut verstecken kann und wie die Lage ist.

Dazu kommt, dass eben nicht alle Gesichter in Street View unkenntlich gemacht sind. Die meisten sind es, aber da Google dies sicher automatisch durchführt (alles andere wäre sinnlos und zu viel Aufwand) scheint ziemlich viel durch den Filter zu huschen. Von unschönen Aufnahmen von Passanten abgesehen. Auch wenn diese von hinten fotografiert sind, kann dies für Personen problematisch sein. Dazu kommt das Problem, dass man für alle Welt sichtbar monate- oder gar jahrelang dort gespeichert und sichtbar sein kann ohne, dass man Kenntnis davon bekommt. Hat man Kenntnis von einem Bild seinerseits und möchte dies entfernt haben kann man bei Google Widerspruch einlegen.

Solch einen Vordruck um Widerspruch bei Google einzulegen bietet nun das Bundesverbraucherschutzministerium online zum Herunterladen (Word) an.

Sucht man online nach kompromittierenden Bildern aus Google Street View sind bereits einige zu finden. Hier mal drei als Beispiel (ich glaube alle aus den U.S.A.):

Das Bild von Google Street View zeigt vermutlich eine Prostituierte

Das Bild von Google Street View zeigt vermutlich eine Prostituierte

Person mit Waffe die ein Kind bedroht via Google StreetView

Person mit Waffe die ein Kind bedroht via Google Street View

Mann, der vermutlich an den Straßenrand pinkelt via Google StreetView

Mann, der vermutlich an den Straßenrand pinkelt via Google Street View

Ich weiß nicht wie es anderen geht, aber ich würde mich, wäre ich auf einem der Bilder zu sehen, nicht gerne in Google Street View veröffentlicht sehen. Es gibt noch andere Bilder, die wesentlich harmlosere Situationen, aber Gesichter zeigen wie dieses hier (der Mann rechts, mit der Kappe):

Nicht unkenntlich gemachter Mann bei Google StreetView

Nicht unkenntlich gemachter Mann bei Google Street View

Dabei fällt besonders auf, dass immer diejenigen Gesichter zu sehen sind, die entweder von der Seite fotografiert wurden oder leicht nach unten (bzw. zur Seite) schauen, wie der Mann oben.

Alle die etwas mit Informatik zu tun haben wissen natürlich, dass Gesichtserkennung vor allem in solchen Bildern, wo Menschen mit ihren Köpfen in alle Richtungen schauen nicht besonders leicht ist. Man muss Google eingestehen, dass sie es ganz gut hinbekommen, aber wir wissen auch, dass 100% nicht wirklich möglich ist. Und im Zweifelsfall trifft es eine Person, die einfach nicht möchte, dass sie dort zu sehen ist oder gar schaden davon nimmt.

Stelle dir bspw. folgendes Szenario vor. Du lebst idyllisch in einer deutschen Kleinstadt, etwas ländlich und machst dich auf zu einem allabendlichen Spaziergang zwischen den Feldern. Auf dem Rückweg musst Du dich erleichtert, deine Blase ist nicht mehr die beste. Du fühlst dich unbeobachtet und pinkelst an einen Baum. In dem Moment fährt ein Google Street View Auto vorbei, nimmt dich auf, ähnlich wie den US-Amerikaner oben ohne in camouflage-Hose weiter oben, und das Foto wird einige Zeit später bei Google Street View veröffentlicht. Mit dem Internet hast Du nicht viel am Hut, Du bist eher der älteren Generation angehörig, aber in deiner Stadt bekannt und engagiert. Nun findet jemand das Foto im Internet, erkennt dich als den z. Bsp. den Schulrektor und unter den internetaffinen Jugendlichen macht es schnell die Runde “Der Rektor der Grundschule pinkelt an einen Baum”. Hört sich noch nicht schlimm an, aber die Tatsache könnte eventuell sehr peinliche Kreise ziehen. Was nun?
Während die jungen Erwachsenen die Sache ganz amüsant finden weißt Du noch nichts davon. Erfährst es erst über Umwege Monate später. Das Pinkeln an den Baum kann man in diesem Szenario durch jedwede andere Sache ersetzen, je nach Alter und Person.

Google selbst hält dagegen, dass nur ein öffentlicher Raum aufgenommen wird, die Menschen unkenntlich gemacht werden und hier auch nicht das Recht auf das eigene Bild greift, weil man ja nicht die Person sondern den öffentlichen Raum fotografiere. Außerdem könne jede Person Widerspruch erheben und damit eine Löschung erwirken.

Ich bin gespannt wie es weiter geht. Als junger Mensch bin ich mit solchen Technologien aufgewachsen, weiß mich im Internet zu bewegen und weiß durchaus auch die Vorzüge von Kartenmaterialien im Internet und solchen Diensten zu schätzen. Dass die Frage der Privatsphäre bei Google Street View trotzdem schwierig ist, ist mir jedoch auch sehr genau bewusst.

Quellen und weiterführende Informationen

Google: Street View ist datenschutzrechtlich unbedenktlich @golem.de
An “Street View” entzündet sich Datenschutz-Debatte @zeit.de
Aigner will für Google Street View engere gesetzliche Grenzen @heise.
Google lenkt ein, Politiker bleiben hart @spiegel.de
ZDF Morgenmagazin: Google Street View schafft gläsernen Bürger @netzpolitik.org
Google Streetview auch in Darmstadt @schonleben.de
Google sieht keine rechtlichen Hürden mehr für Street View @heise.de

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