Die Welle – Von Gruppenzwang und Individualismus

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Filmplakat Die Welle

Filmplakat Die Welle

Die meisten, hoffe ich, haben bereits den Film “Die Welle” gesehen. Es gibt eine neue Fassung aus dem Jahre 2008 mit Jürgen Vogel. Die alte Fassung aus dem Jahre 1981 aus den U.S.A. die hier früher schon im Fernsehen zu sehen war, ist sicherlich der älteren Generation eher bekannt. Der Film beruht auf einer Kurzgeschichte des Geschichtslehrers Ron Jones über sein Projekt “The Third Wave“.
Auf den Film möchte ich nicht näher eingehen, nehme ihn hier aber als Grundlage bzw. Gedankenanstoß für die weiteren Ausführungen.

In dem Film geht es hauptsächlich um Gemeinschaft und Gruppenzugehörigkeit, um Autokratie. Deswegen erst ein mal folgende Frage:

Was macht eine Gemeinschaft bzw. eine Gruppe und die (Zugehörigkeit zu ihr) aus?

Folgende Beispiele gehören zu einer Gemeinschaft und erzeugen ein Zugehörigkeitsgefühl bei ihren Mitgliedern und ist sehr oft zu sehen schon bei kleinen Jugendgruppen:

  • Kleidung (Uniformierung – auch ein als sehr individuell empfundener Kleidungsstil kann innerhalb der Gruppe einer Uniformierung entsprechen)
  • gemeinschaftlicher Gruß (z. Bsp. bei vielen kleinen Jugendgruppen eine bestimmte Art des Händeschüttelns)
  • Musik, wobei es im Wesentlichen eigentlich um ähnlichen Geschmack geht, der die Gruppe zusammenhält bzw. erst zu ihrer Entstehung geführt hat. Hier sind die verschiedensten Genres zu nennen, die zur Bildung von Jugendgruppen beitragen (Hip-Hop, Metal, Techno, …)

Nun möchte ich versuchen die negativen Seiten einer Gruppe und Gefahren von Gruppendynamik aufzuzeigen. Aber eine Gruppe hat auch positive und starke Seiten. Zunächst also die Stärken:

  • Gemeinschaftsgefühl (Wir-Gefühl, oft auch durch das Gefühl Teil eines großen Ganzen zu sein)
  • Gegenseitige Hilfe (oft nur innerhalb der Gruppe)
  • Motivation durch die Eichung der Gruppe auf ein gemeinsames Ziel (oder eine Leitfigur)
  • Disziplin und dadurch Produktivität durch das Einhalten von gemeinschaftlichen Regeln
  • Nivellierung von sozialen Unterschieden durch Uniformierung (was aber auch negativ sein kann, da Vielfalt zur menschlichen Natur gehört)
  • Aufgabenteilung und bessere Nutzung von Stärken einzelner Gruppenmitglieder

Auf der anderen Seite gibt es Probleme die mit so einer Gruppe entstehen und die oft menschlicher Natur sind, weil sie meist in starkem Zusammenhang damit stehen anderen Individuen weh zu tun, zum Beispiel durch Druck:

  • Ausgrenzung anderer (Minderheiten)
  • wenig bis keine Individualität
  • kreative Gedanken werden vom Gruppenzwang unterdrückt -> keine Toleranz gegenüber neuen Ansätzen und Ideen
  • meistens bestimmt eine kleine Minderheit (oder eine Person, die Leitfigur) was innerhalb der Gruppe richtig und falsch ist
  • Disziplin und Gehorsam durch Macht, Gruppenzwang und oft auch durch Gewalt
  • Abgrenzung und Druck durch Uniformierung (z. Bsp. in Schulen bestimmte Markenkleidung oder bestimmte Gegenstände)

Dadurch, dass der Druck in Schulen auf Kinder aus sozial schwachen Haushalten immer größer wird, weil diese sich z. Bsp. keine Markenkleidung leisten können, entstehen starke Probleme und Ausgrenzung. Ein Problem dabei ist auch, dass Kinder überhaupt so stark nach Gruppen und sozialer Zugehörigkeit suchen. Normalerweise sollte sie vorhanden sein, ist sie aber scheinbar nicht und da es dem Menschen wichtig ist sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen bilden sich selbst Gruppen in Schulen aus, die dadurch Minderheiten schaffen.

Schuluniformen sind meiner Meinung nach auf Dauer keine Hilfe, da sie das Problem nicht beheben, sondern nur die Symptome verdecken. Oft verlagert sich auf Dauer durch Schuluniformen das Problem. Ein Freund mit Erfahrung in Japan erzählte mir zum Beispiel vor kurzem, dass dort die ganzen Schulkinder (die ja Schuluniformen tragen müssen) alle ein gewissen Geldbeutel einer sehr teuren Marke haben. Alle Kinder die sich diesen nicht leisten können, werden automatisch ausgegrenzt und damit zu Minderheiten durch ihren sozial schwächeren Status.

Was macht Individualität und Vielfalt aus?

Der Gegenpol von einer uniformierten Gruppe sind Individuen. Diese haben ebenfalls Vor- und Nachteile. Schauen wir uns wieder zunächst die positiven Eigenschaften an:

  • Andersartigkeit, Individualismus und Vielfalt (was das immanente Selbst der Natur widerspiegelt)
  • Kreativität
  • Neue Ansätze und Denkweisen (bspw. Problemlösungen) durch eigenständiges und kreatives Denken
  • stärkere Persönlichkeit, weil das Selbstbewusstsein aus der Person heraus aufgebaut wird und nicht so stark abhängig ist von der Gefälligkeit oder der Wechselwirkung mit anderen
  • Führungspersönlichkeiten

Und die negativen Eigenschaften:

  • Einzelkämpfer
  • verringerter Fortschritt durch individuelle Insellösungen
  • Konkurrenz
  • Verstärkung von Missgunst
  • verringertes soziales und gemeinschaftliches Selbstverständnis und Gruppenverantwortung (Menschlichkeit, Denken an Mitmenschen)

Was ist überhaupt das Naturell von Gruppen? Warum gibt es Gruppen? Immer dort wo Menschen zusammen kommen bilden sich kleine Gruppen. Gruppen sind wichtig für das soziale Gefüge. Sie geben dem Einzelnen Kraft und Stützen ihn. Sie geben ihm das Gefühl nicht als Einzelkämpfer für alles alleine verantwortlich zu sein. Die Fehler, Unzulänglichkeiten, aber auch Stärken der anderen geben einem das Gefühl sich selbst nicht so stark unzulänglich oder “fehlerhaft” zu fühlen. Die einzelnen Makel werden nun weniger eigenständig betrachtet, denn vielmehr im relativen Verhältnis zu den anderen in der Gruppe. Das kann natürlich auch ein stärkeres Gefühl von Unzulänglichkeit hervorrufen, wenn man als Individuum in der Gruppe das Gefühl besitzt z. Bsp. weniger hübsch oder weniger gut zu sein, als die anderen. In einer guten und offenen Gruppe werden solche Gefühle nicht zugelassen und abgefedert durch Zuspruch, gegenseitige Motivation und Stärkung. In diesem Fall herrscht ein gemeinsames Wir-Gefühl. Man sieht sich als gemeinschaftliche Kämpfer, die für dieselbe Sache einstehen. Das funktioniert nach dem Prinzip: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Problematisch ist es auch für einzelne Individuen, wenn diese (oft auch unbegründet z. Bsp. durch ein verringertes Selbstwertgefühl) das Gefühl besitzen, trotz Gruppenzugehörigkeit mit den anderen Gruppenmitglieder nicht auf einer Stufe zu stehen. Fühlt man sich dann der Gruppe nicht richtig zugehörig oder von anderen nicht voll akzeptiert, kann dies zu Minderwertigkeitsgefühlen, Komplexen und weiteren Problem des Selbstwertgefühls führen. Ich bin zwar kein Psychologe, aber meiner Meinung nach haben solche Probleme oft ihren Ursprung in der Kindheit, in negativen Erfahrungen oder gar der Erziehung durch die Eltern.

Diese Gruppen sind normal und sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Nur so kann eine Gesellschaft funktionieren. Wenn nicht jeder nur an sich denkt, sondern auch an die Mitmenschen und sich an gewisse (oft ungeschriebene) Regeln hält, die das funktionieren der Gemeinschaft vereinfachen und Probleme wie Streit und Missgunst verhindern sollen, bereichert das die ganze Gemeinschaft und ist Vorbild für andere. Im besonderen Fall zeigt jemand ein altruistisches Verhalten.
Gruppen bieten außerdem den wichtigen Vorteil, Aufgaben und Belastungen zu verteilen bzw. Stärken zu bündeln. Wenn man an unsere ältesten Vorfahren denkt, so war es nötig sich auf die anderen in der Gruppe zu verlassen, wenn man zusammen auf Jagd war. Oder beim Hüten der Kinder und zubereiten der Nahrung, war es wichtig, dass jeder seinen Teil zum Ganzen beiträgt. Das Gruppengefüge ist also auch ein Stück Selbstzweck, der uns Arbeit abnimmt, uns motiviert und die Schwächen des einen durch die Stärken des anderen ausgleicht.
Das Zusammenarbeiten und bilden von Gruppen unter Menschen ist also der logische nächste Schritt aus der Evolution und Emanzipation des Menschen von seinem affenartigen Tierdasein heraus. Wir bauen nicht nur Werkzeuge, wir bringen uns auch gegenseitig unser erlerntes Wissen bei, entwickeln uns weiter, helfen uns gegenseitig und können so voneinander profitieren, um das gesetzte Ziel bestmöglich zu erreichen.

Problematisch, wie im Film Die Welle wird es erst dann, wenn ein vermeintlich höheres Ziel  über die Menschlichkeit, über die Privatsphäre anderer oder gar über das Gesetz gestellt wird. Wenn sich jeder einzelne durch seine Gruppenzugehörigkeit als etwas besonderes fühlt und sich damit nur noch der Gruppe verpflichtet fühlt. Dabei wird oft Nächstenliebe, Ethik und die wache Unterscheidung von Richtig und Falsch ausgeschaltet. Personen die dann das Gefühl haben etwas sei nicht richtig sind dann, wenn das Selbstwertgefühl nicht stark genug ist ruhig, weil sie sich dem Druck der Gruppe nicht gewachsen fühlen.

Eine der wichtigsten Gruppen in unserer Gesellschaft ist wohl die Familie. Sie soll einen Menschen das achtsame Miteinander, das Geben, Nehmen und die Wechselwirkungen mit anderen Menschen lehren. Familie ist war bis vor wenigen Jahrzehnten noch die wichtigste Gruppe die einem Individuum Rückhalt und Sicherheit gab. Leider löst sich diese Gruppe durch kleinere Familien, Paare ohne Kinder immer stärker auf. Die Freunde auf der Straße, die Medien und kleine Gang-Bildung übernehmen immer mehr Gruppenerziehung, die eigentlich Aufgabe der Familie bzw. der ganzen Gemeinschaft sein sollte.

Auch hier gab es in der Vergangenheit Experimente. Ein Versuch mit bitterem Beigeschmack verdeutlicht sehr stark wie wichtig das Gefühl der Zugehörigkeit, der Austausch (also die Kommunikation) und die Liebe sind, für das Gedeihen von Kindern. Der Staufenkaiser Friedrich II. hatte einen bösen Versuch gewagt um herauszufinden wie Kinder gedeihen und sich gebärden, wenn man nicht mit ihnen sprechen würde. Einige Frauen wurden angewiesen die Babys nur zu säubern, zu säugen, damit sie überlebten. Es wurde nicht mit Ihnen gesprochen und Zärtlichkeiten wurden stark eingeschränkt. Die Kinder verkümmerten seelisch und starben alle samt. Das zeigt wie wichtig Liebe, Sprache, Zugehörigkeit und Zuneigung für unser Wohlergehen ist. Vor allem die Sprache spielt dabei eine wichtige Rolle der Zugehörigkeit und für den Austausch (Bsp: Jugendsprache – Interessant ist auch sprachnudel.de, was sich als Wörterbuch der Jetztsprache bezeichnet).

Vor einiger Zeit, hörte ich von einem Fall bei dem eine Mutter ihr Kind immer mit einer Wickeltechnik direkt am Körper trug (statt in einem Wagen vor sich her zu schieben) und ständig mit ihrem Kind redete. Sie erzählte dem Kind alles was sie den lieben langen Tag tat und das Kind entwickelte sich prächtig und zeigte später auch eine sehr weit entwickelte Intelligenz. Scheinbar werden viele Synapsen und Nervenbahnen im Gehirn (die ja im Wesentlichen in den ersten Lebensmonaten und -jahren festgelegt werden) ausgebaut und verstärkt.

Aber zurück zum Thema Gruppen und Individualismus.
Gemeinschaft gibt einem Halt, Sicherheit und das Gefühl der Hilfe, wenn es Probleme gibt. Jedoch kann sie auch Zwang bedeuten, wenn durch Gruppenzugehörigkeit und Druck aus der Gemeinschaft individuelle Gedanken unterdrückt werden. In der Familie kann dies auch Sicherheit bedeuten, wenn die Eltern mit der enormen Erfahrung die Kinder vor Leichtsinn und spontanen Einfällen schützen.
Eine Gemeinschaft wird jedoch dann zum Problem, wenn sie Individualität und kreative Gedanken ausgrenzt und für ein vermeintlich “höheres Ziel” der einzelne seine Verantwortung abgibt und Dinge tut, die er alleine niemals getan hätte. Dabei können auch die Gruppenregeln und -zwänge über Ethik, Menschenwürde und Gesetz gestellt werden. Dabei gewinnt das Gruppenziel für den Einzelnen an Gewicht, hervorgerufen durch den Zwang der Gemeinschaft.

Das gemeinschaftliche “höhere Ziel” als Rechtfertigung

Milgram-Experiment - Versuchsaufbau (Quelle: Wikipedia)

Milgram-Experiment - Versuchsaufbau (Quelle: Wikipedia)

Was passieren kann wenn einzelne Personen für ein vermeintlich höheres Ziel ihre individuelle Entscheidungfähigkeit und Kritik hinten anstellen und Dinge tun, die sie sonst nicht tun würden, zeigte uns die Geschichte mehrfach. Da waren Dinge wie der Nationasozialismus unter Hitler. Aber auch in der Psychologie wurde das bereits untersucht. Im Jahre 1961 wurde das erste mal in New Haven durch den Psychologen Stanley Milgram das nach ihm benannte Milgram-Experiment durchgeführt. Dabei wurde eine Person die an dem Versuch teilnahm in einen Raum geführt. In dem Experiment ging es, so sagte man dem Probanden, darum, dass der Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Bestrafung getestet werden sollte. Dem Probanden (L wie Lehrer) wurde das Inventar gezeigt und auch die Bestrafung durch Strom vorgeführt. Der vermeintliche Lernende (S wie Schüler) der die Stromschläge erhalten sollte, war ebenfalls wie der Versuchsleiter eingeweiht. Der Schüler sollte Wortpaare zusammensetzen und bei jedem Fehler sollte der Lehrer dem Schüler Stromstöße verpassen, wenn er Wortpaare falsch zusammen setzte. Dabei wurde der Strom jeweils erhöht. Der Lehrer hörte vom Schüler dann bei jedem Stromschlag Geräusche. Diese reichten von leichten Schreien, Grunzen bis hin zur Bekundung, dass der Schüler mit dem Experiment aufhören möchte. Dann Schreie “die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen sollten” und später gar keine Geräusche mehr. Der Lehrer der die Stöße verabreichte, musste also das Gefühl haben, dass er den Schüler gerade umgebracht hat. Dabei wurde dem Lehrer immer wieder vom Versuchsleiter mitgeteilt, dass es notwendig sei für den Versuch weiter zu machen und er unbedingt den Versuch bis zu Ende durchführen müsse.
Dabei war sowohl der Schüler als auch der Versuchsleiter in das Experiment eingeweiht. Nur der Lehrer war der eigentliche Proband in dem Versuch.

Ein anderes Beispiel mit ähnlichen Folgen zeigt der Film “Das Experiment“, welcher ebenfalls auf wahren Tatsachen beruht. Grundlage war das durch Psychologe Philip Zimbardo in den 70er Jahren durchgeführte Stanford-Experiment. Dabei wurden Probanden in zwei Gruppen eingeteilt: Gefangene und Wärter. Die Wärter hatten verstärkte Befugnisse. Den Gefangenen wurde dabei, wie in einem Gefängnis die Freiheit entzogen, während die Wärter in den Versuchsaufbau wie zu einer Arbeitsstelle kamen. Eine Person in der Gruppe war von der Armee und eine aus der Presse eingeschleust worden. Das ganze Experiment lief aus dem Ruder. Die Wärter missbrauchten ihre Macht. Dabei wird auch wieder deutlich wie gefährlich es sein kann einer kleinen Gruppe von Menschen Macht zu geben, wenn diese mit der Macht nicht umgehen können bzw. jegliche Kontrollinstanz fehlt.

Vorurteile und Gruppenzugehörigkeit – Chance oder Problem?

Durch das Gefühl der Gemeinschaft und die Übertünchung von Unterschieden, die es aber in jeder Gruppe und wenn nur zwei oder drei Personen zusammen kommen, gibt entsteht das Gefühl Stärker und Besser zu sein als die anderen. Alle die anders sind, als die Gruppe werden ausgegrenzt.

In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr Gruppen. Einerseits ist es normal, dass Jugendbewegungen gibt und sich gleichgesinnte sammeln, andererseits führt das auch immer wieder zu Kränkungen, Ausgrenzung und Faschismus.

Was aber ist dann der Ausweg, die Möglichkeit einerseits die Kraft der Gruppe und den Rückhalt zu erhalten und andererseits nicht in sektenähnliche Strukturen zu verfallen in denen die Regeln der Gemeinschaft mehr Wert sind, als der Einzelne?

Meiner Meinung nach geht das nur, durch eine offene Gesellschaft und der Vorurteile abgebaut werden und jedes Individuum als Mensch wahrgenommen wird. Das heißt nun nicht, dass man jeden toll finden und lieben haben muss oder keine Kritik mehr üben darf und für jeden Verständnis zeigen muss. Jedoch heißt es, dass man sich nicht an Äußerlichkeiten aufhält und mit Worten um die Sache streitet und andere Standpunkte, Sichtweisen und Herangehensweisen akzeptiert. Das bedeutet auch ein Stück weit in sich selbst zu ruhen, sich (was z. Bsp. im Buddhismus geleert wird) von materiellen Dingen zu befreien und nicht an irdischen Dingen behaftet zu bleiben. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es im Grunde nicht wichtig ist, ob jemand ein rotes oder weißes Hemd, eine Jeans von Marke A oder B trägt, sondern, dass es um die Sachthemen und Meinungen gehen sollte.

Einige werden nun sagen, dass Vorurteile negativ sind und man keine haben darf, andere werden nun argumentieren, dass doch jeder Vorurteile hat und das irgendwo ganz normal ist. Ich bin der Meinung, dass jemand der von sich behauptet frei von Vorurteilen zu sein lügt. Jeder hat hin und wieder Vorurteile gegenüber Dingen und Menschen, die einem fremdartig oder merkwürdig vorkommen. Die Vorurteile sind auch nicht das Problem. Unser Gehirn zwingt uns quasi Strukturen und damit irgendwo auch in Schubladen zu denken. Sehen wir ein Gebäude mit hohem Turm und Glocken gehört es in die Schublade Kirche. Sehen wir ein Hochhaus mit Spiegelfront gehört es in die Schublade Industrie, Banken und Hotels. Sehen wir jemanden mit schwarzen Haaren und dunklerer Hautfarbe gehört er in die Kategorie südländischer Typ, sehen wir jemanden mit blonden Haaren und blauäugig gehört er für uns in die Kategorie nordischer Typ. Was ist das Problem an diesen Stereotypen? Meiner Meinung nach sind die Stereotypen an sich kein Problem, sondern ein Stück weit natürlich. Problematisch wird es erst dann, wenn man durch solche Stereotypen Vorurteile aufbaut und nicht mehr in der Lage ist diese später zu revidieren. So ist zum Beispiel ein Nationalsozialist nicht ohne weiteres in der Lage die Vorurteile gegen Ausländer (also Menschen die ihm und seinem Menschenbild fremd sind) abzubauen und neue Urteile positiver Art aufzubauen, weil er nach (in seinen Augen) negativen Eigenschaften sucht, die seine einseitigen aufgebauten Bilder von Stereotypen bedienen. Nur wenn man in der Lage ist diese negativen Vorurteile und einseitigen Bilder zu revidieren, ist man auch in der Lage offen durchs Leben zu gehen.

Ich denke Vorurteile haben wir alle hin und wieder. Wichtig ist, dass uns Vorurteile auffallen und wir bereit sind sie zu revidieren. Es sollte also immer um die Sache an sich gehen, niemals um das Aussehen einer Person. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, wenn sich gewisse Verhaltensstrukturen durch Erziehung oder Umfeld in der Kindheit geprägt und eingebrannt haben.

Wie schwierig es sein kann gegen teilweise subtile Dinge, Äußerungen und Verhaltensweisen z. Bsp. auch auf der Arbeit oder im alltäglichen Leben anzugehen, weiß jeder, der etwas anders ist, als es die Gesellschaft von einem erwartet.

Was ist nun gut an gewissen gesellschaftlichen Regeln und Verhaltensweisen? Da sind Kleinigkeiten wie den Müll nicht auf die Straße sondern in einen Mülleimer zu werfen. Aber auch nicht die Privatsphärer anderer zu verletzen. Wichtig ist immer, wenn man in einer Gemeinschaft lebt (und eine Gesellschaft ist nichts weiter als eine große Gemeinschaft), dass sich jeder dort so verhält, dass er die Privatsphäre anderer nicht verletzt. Jeder hat also in einer Gesellschaft neben Freiheiten auch Pflichten. Diese Regeln sind wichtig um zusammen leben zu können. Bei Tieren wie Hunden ist es das Rudel und die Hierarchie, bei Hühnern die so genannte Hackordnung. Beim Menschen sind es gemeinschaftliches achtsames Miteinander und gemeinsamer Konsens.
An dieser Stelle ist auch der von Immanuel Kant eingeführte Begriff des Kategorischen Imperativs zu nennen. Dieser besagt, dass sich ein jeder in der Gesellschaft so verhalten sollte, dass sein Verhalten der Gesellschaft zugute kommt und einer höheren Maxime folgt. Kurz zusammengefasst schreibt Kant das so: “Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.”

Eigentlich sind es grundsätzliche Regeln, die eine Familie ihren Kindern leeren soll. Es gibt ein altes afrikanisches Sprichwort das sagt: “Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen”. Lernt ein Kind nicht, dass man in einer Gesellschaft vom Geben und Bekommen lebt. Dass man auf andere Rücksicht nehmen muss. Läuft es aus dem Ruder und das ist ein grundsätzliches Problem, das wir meiner Meinung nach momentan in unserer Gesellschaft haben.

Wir sehen also, dass Gemeinschaft auch eine sehr wichtige und nützliche Sache sein kann, aber immer dann zum Problem wird, wenn all diejenigen, die scheinbar anders sind ausgegrenzt und zum Sündenbock gemacht werden.
Das war eine wesentliche Strategie Hitlers. Jede faschistoide Gemeinschaft kann nur überleben, solange sie ein Gegenpol hat, einen gemeinsamen Feind der den eigenen Gruppenzusammenhalt stärkt. Diesen Gegenpol erreichte Hitler durch die Propaganda und Hetze gegen all jene die vordergründig anders zu sein scheinen. Das sind meistens vor allem Minderheiten oder Gruppen zu denen bereits festgefahrene Vorurteile verankert sind.

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2 Responses to “Die Welle – Von Gruppenzwang und Individualismus”


  • Hallo,

    gibt es zu diesem Artikel Literaturangaben oder Informationen über den Autor? Wäre für eine Hausarbeit sehr hilfreich.

    Vielen Dank!

  • Hi Bernd.

    Das ist kein wissenschaftlicher Artikel, insofern gibt es keine Quellenangaben.
    Das ganze begründet sich auf meinen eigenen Gedanken und Erfahrungen. Natürlich fließen da auch Sachen mit ein, die ich irgendwo ein mal gelesen oder im Studium aufgeschnappt habe, aber ich habe zum Verfassen keine speziellen Quellen verwendet.
    Die einzige “Quelle” die für mich als Gedankenanstoß diente war die Neuverfilmung von “Die Welle” selbst.
    Bei Detail-Informationen (bspw. über das Milgram Experiment) sind die Infos die ich herangezogen habe im Text verlinkt.

    Aber selbstverständlich könntest Du, wenn Du Ideen/Gedankenansätze von hier verwenden möchtest diesen Artikel als Quelle angeben.

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