Das scheint im ersten Augenblick eine sehr naive und undifferenzierte Frage zu sein. Viele werden wohl sagen: “Die Welt wird schlechter” und die meisten vermutlich “Hängt davon ab”.
Bei New Scientists, gibt es einen neuen Artikel mit dem Titel “Blueprint for a better world” (Entwurf für eine bessere Welt). Dazu schreibt NS:
We live in an imperfect world. Poverty, disease, lack of education, environmental destruction – the problems are all too obvious. Many people don’t have clean water, let alone enough food, and the unsustainable lifestyle of the wealthy few is storing up catastrophic climate change.
Can we do anything about it? You bet we can. Technology is a double-edged sword, but science and reason have made our lives immeasurably better overall – and only through science and reason can we hope to make a real difference in the future. So here and over the next three weeks, New Scientist will explore diverse ideas for making the world a better place, and the evidence backing them.
[...]
Next week in part 2 we’ll report on what you as an individual can do to make a difference. In part 3 we’ll explore what many see as the fundamental problem: overpopulation. And finally, in part 4, we’ll ponder the profound and long-lasting changes we are making to our home planet.
Sehr interessant ist vor allem die beim Artikel angehängte und von mir oben verlinkte Grafik mit allerlei Statistiken zu den verschiedensten Einflüssen auf unser kosmopolitisches Wohlergehen. Einige daraus möchte ich gerne hier betrachten.
Sehr krass finde ich zum Beispiel den Vergleich von Toten durch Infektionskrankheiten im Vergleichen zwischen 1993 (16,4 Mio) und 2002 (14,7 Mio). Insofern hat sich die Welt also verbessert. Schaut man jedoch genauer hin, sieht man, dass die gut zu bekämpfenden Infektionskrankheiten, bspw. durch Medikamente und Impfungen wie Hepatitis B sehr stark zurückgedrängt wurden. Jedoch ist die durch den HI-Virus ausgelöste Krankheit Aids weiter auf dem Vormarsch. Seit 1993 hat sich die Anzahl an Toten infolge von Aids ungefähr verfünffacht.
Auch die Abholzung spielt eine wesentliche Rolle für das Wohlergehen der Weltenbürger. So ist in Südost-Asien, dem afrikanischen Saharagebiet und in Lateinamerika ein starkes abforsten (oder besser abholzen) zu verzeichnen. In Lateinamerika hat die Abholzung von 2000-2005 gegenüber den Jahren 1990-2000 sogar noch weiter zugenommen.
Wie sieht es aus mit Krieg? Ja, man vermutete es schon. Seit 1945 hat die Anzahl an Konflikten (Krieg) weiter zugenommen und ist zuletzt 2008 auf einem Höchstwert von 350 kriegerischen Konflikten pro Jahr (im Gegensatz zu unter 100 Konflikten 1945) stehen geblieben. Dabei sind die Militärausgaben auf über 1.200 Mrd. Dollar pro Jahr gestiegen (im Gegensatz zu 1992: knapp unter 1.000 Mrd Dollar). Im Jahr 1998 waren die Ausgaben auf einem niedrigen Wert von etwas über 800 Mrd Dollar.
Wie sieht es aus mit dem Zugang zu Trinkwasser? Die Verfügbarkeit von Trinkwasser hat sich deutlich verbessert zwischen den Jahren 1990 bis 2004 und ebenso der Zugang zu Sanitäranlagen. Dennoch haben in der afrikanischen Sahara-Region nur knapp unter 60% und in den Entwicklungsländern knapp unter 80% Zugang zu Trinkwasser.
Für das Überleben ist auch das Essen wichtig. Hier wurde in Kilocalorien gemessen (was hier auch ein Indikator für die zunehmende Verfettung der Industrieländer ist). Somit haben weltweit 2002 die Menschen einen Zuführung an ungefähr 2.800 kcal (1970 noch ca. 2.400 kcal). Zur Information: In den Industrieländern arbeiten besonders viele Menschen in akademischen und Büroberufen und haben somit relativ wenig Bewegung. Der Bedarf pro Tag liegt somit bei ca. 2.200 kcal.
Im Gegensatz dazu haben die Sahara-Regionen eine Zufuhr von ca. 2.300 kcal und die Entwicklungsländer von ca. 2.600 kcal. Diese Länder haben aber mit Sicherheit einen höheren Tagesverbraucht als wir.
Sehr stark sticht Nordamerika aus dieser Statistik heraus. Denn hier werden pro Tag im Jahre 2002 ungefähr 3.700 kcal zugeführt. Das verbraucht vielleicht ein hart arbeitender Handwerker am Tag, aber kein Arbeiter, der mehr als 80% seiner Arbeitszeit sitzend verbringt!
Alles in allem sind aber die zugeführten Kilocalorien zwischen 1970 und 2002 angestiegen. Im Umkehrschluss lässt sich aus einer anderen Grafik ablesen, dass dadurch der weltweite Hunger zwischen 1990 und 2007 ebenfalls abgesunken ist. Dennoch hungern immer noch deutlich über 25% der Menschen in den Sahararegionen und den Entwicklungsländern. In Südasien sogar fast 50%.
Interessant ist auch die Überlebensrate von Kindern bis zum 5. Lebensjahr. Sind es in den westlichen Ländern fast 100%, sind es in den Entwicklungsländern nur gut 85% und in den Sahararegionen sogar noch etwas unter 85%.
Die zehn radikalen New Scientists-Ideen zur Veränderung der Gesellschaft
- Beware of common sense (Vorsicht vor dem menschlichen Verstand)
- Legalise drugs (Drogen legalisieren)
- Give police your DNA (DNS der Polizei verfügbar machen)
- Redefine the bottom line (die untere Grenze neu definieren)
- Find out if we can cool the planet (Können wir den Planeten kühlen?)
- Tax carbon and give the money to the people (Kohlenstoff besteuern)
- Learn to love genetic engineering (Lerne die genetischen Wissenschaften zu lieben)
- End the pillaging of the high seas (Plünderung der Hochsee beenden)
- Generate a feed-in frenzy (Generieren eines Einspeisungs-Wahnsinns)
- Take Friday off… forever (Freitag frei, für immer)
Ich habe sie noch nicht gelesen, bin aber gespannt. Viel Spaß ebenfalls bei dieser doch etwas brisanten (mehr oder weniger wissenschaftlichen) Lektüre.
Ich werde auch über die drei noch folgenden Artikel bei New Scientists berichten.
Teil 2: Wie kann ein jeder von uns die Welt ein bisschen besser machen?
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