Sind Atomkraftwerke für erhöhte Leukämieerkrankungen verantwortlich?

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20 km Radius um Biblis

20 km Radius um Biblis (Quelle: Google Earth)

Man hat es schon öfters gehört, auch Studien und der Verdacht von Experten und Atomkraftgegnern haben immer wieder nahe gelegt, dass Atomkraftwerke (AKW) für ein erhöhtes Leukämierisiko, vor allem bei Kindern, in ihrer Umgebung verantwortlich sein könnten. Es gab jedoch auch immer wieder Gegenstudien, die belegten, dass im Umkreis eines AKW angeblich keinerlei erhöhter Strahlung zu messen sei. Vielleicht gibt es noch Strahlungen die wir gar nicht messen können, die ebenfalls das Krebsrisiko erhöhen? Klar ist jedenfalls, dass Strahlung das Blutkrebsrisiko deutlich erhöhen kann, was zur Erkrankung Leukämie führt.

Die Sterberaten durch Krebs gehen weiter zurück, jedoch steigen die Krebsneuerkrankungen weiter an. Etwa 9.100 erkranken jährlich neu an Leukämien (Studie: “Krebs in Deutschland 2003-2004 Häufigkeiten und Trends” des GEKID und RKI 2008). So heißt es auf Seite 98 der Studie (Verlinkung durch mich):

Hieraus ergibt sich eine Unschärfe in der Abgrenzung der Leukämien zu den Non-Hodgkin-Lymphomen. Jährlich erkranken etwa 9.100 Menschen in Deutschland (ca. 4.800 Männer und 4.300 Frauen) an einer Leukämie. Das sind für beide Geschlechter je 2,1 % aller Krebsneuerkrankungen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 67 Jahren für Männer und 70 Jahren für Frauen.

Trend Leukämieerkrankungen bei Kindern

Trend Leukämieerkrankungen bei Kindern

Eine neue Studie, wie die Netzeitung berichtet, die die Grünen in Auftrag gegeben haben, soll nun ein erhöhtes Leukämierisiko in einem Radius um 20-50 km um Atommeiler herum nachweisen.

Den Verdacht gibt es seit Jahren: Wohnen in der Nähe eines Atomkraftwerks kann besonders für Kinder gesundheitsschädlich sein. Ihr erhöhtes Risiko, an Leukämie zu erkranken, bestätigt jetzt eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie des Arztes und Epidemiologen Eberhard Greiser.

Die Gefahren betreffen nicht nur Säuglinge und Kleinkinder, sondern auch Jugendliche vor allem bis 14 Jahre. Im Umkreis von 20 bis 50 Kilometern um Atommeiler sei das Risiko bei Kindern unter fünf Jahren um 19 Prozent erhöht und unter 15 Jahren um 13 Prozent, berichtete Greiser.

Für die Studie wurden Werte von 80 Kernkraftwerken in fünf Ländern ausgewertet, darunter auch Meiler in Deutschland und den USA. Das sei eine breite Datenbasis, sagte Greiser. Grüne und atomkritische Ärzte forderten, endlich den Strahlenschutz für Bürger zu verbessern.

Auch Spiegel Online berichtet über die Studie. Ich habe die Studie nicht gelesen und kann sicherlich als Laie auch nicht einschätzen wie realistisch manche Aussagen sind. Jedoch ist bekannt, dass Studien oft, je nach dem wer sie in Auftrag gibt, zu einem unterschiedlichen Ergebnis kommen. Fakt ist jedoch auch, dass die Zahl der Leukämieerkrankungen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten immer weiter leicht anstieg, was eine Veränderung in der Infrastruktur bzw. Umwelt nahelegt. Ob es sich dabei jedoch um generelle Strahlenbelastungen bspw. durch Unfälle wie Tschernobyl, den Bombenabwurf von Hiroshima und Nagasaki, ausgelöst durch Atomwaffentests oder aber durch AKW handelt ist eine Frage, die vielleicht auch eine solche Studie nicht sicher beantworten kann. Jedoch müssten bei den ersten Fällen auf jeden Fall flächendeckender ein erhöhtes Risiko für Leukämie bestehen und es keine Korrelation gegenüber der Nähe zu einem AKW geben.

Interessant ist auch, wenn die Studie richtig liegt mit ihrer Zahl von 20-50km, dass Darmstadt dann voll im Einzugsgebiet vom Atommeiler Biblis liegt (s. Grafik oben).

Kernkraftwerke in Deutschland

Kernkraftwerke in Deutschland (Quelle: Wikipedia)

Die nebenstehende Grafik zeigt eine Verteilung von Atommeilern in Deutschland. Momentan aktiv sind noch 17 Stück, die (bis jetzt) durch den geplanten Ausstieg in den nächsten Jahre bis ca. 2020 nach und nach abgeschaltet werden sollen. Eine Liste aller Atommeiler in Deutschland findet sich bei Wikipedia.

Wie steht ihr zum Atomenergie-Ausstieg?

Wenn Linke und Konservative, wie bspw. jetzt vor der Bundestagswahl aufeinander treffen, ist sicherlich auch der durch die SPD unter Schröder festgelegte Atomausstieg ein Thema. Die Union möchte diesen evtl. wieder zurück nehmen, würde sie alleine mit absoluter Mehrheit regieren.
Ich bin mir unsicher wie ich dazu stehen soll. Einerseits verursacht Atomkraft erheblichen Restmüll, nämlich die verstrahlten Brennstäbe, die man sicher lagern muss. Zuletzt gab es hier über das total vergurkte “Endlager” (eigentlich als Forschungseinrichtung gedacht) in Asse, was als solches gar nicht gekennzeichnet war, ziemlichen Ärger. Radau um Wassereinbruch, verstrahltes Wasser usw. usf. (Netzeitung zu Asse, Spiegel Online zu Asse, Zeit Online zu Asse)
Andererseits ist die Atomenergie mit direkten Auswirkungen auf die Umwelt (wenn man also die Brennstäbe, verstrahlte Bauelemente und verstrahltes Wasser ein mal außer acht lässt) eine sehr saubere Energie. Sie produziert nur Wasserdampf und warmes Wasser. Das hat nur leichte Auswirkungen auf die Vegetation wenn bspw. dieses in ein Fluss geleitet wird.

Im Gegenzug muss man fairerweise auch sagen, dass ebenfalls die so sauberen erneuerbaren Energien für die Umwelt eine Belastung darstellen. Viele wissen es vielleicht noch aus dem Physikunterricht, dass Energie niemals hergestellt, sondern immer umgewandelt wird. So wird zum Beispiel die Windenergie durch ein Windrad in eine Rotationsbewegung überführt, dass führt zu Strom, Reibungsenergie, es entsteht Wärme. So wird die Windenergie umgewandelt. Was kann nun daran schlecht sein? Nun ja, der Wind ist ja dann weg, die Energie umgewandelt, das heißt der Wind, der eigentlich hinter dem Windrad, wäre dieses nicht vorhanden, weiter blasen würde, ist entweder weg oder nur noch sehr gering vorhanden. Das kann ebenfalls massive Auswirkungen auf die Vegetation haben. Mit allen anderen Energien ist es dasselbe. Stellt man Solarzellen auf, ist darunter Schatten der die Vegetation verändert. Auf einem Hausdach macht dies nichts, jedoch z. Bsp. in der Wüste oder direkt auf dem Boden. Außerdem müssen die Solarzellen aufwendig in Ätztechnik mit Chemikalien hergestellt werden. Hier wurde über die letzten Jahre hinweg zwar durch moderne Techniken der Anteil an giftigen Chemikalien wesentlich verringert und somit umweltschonender gearbeitet, ganz ohne geht es jedoch nicht. Die Frage ist nun, was besser ist. Erneuerbare Energien oder Energien, die ein nicht einfach zu handhabbaren Restmüll produzieren, aber auf kleinem Raum viel Energie herstellen können?

Ein weiteres Problem, was viele nicht wissen, ist, dass auf dem Stromnetz immer genau so viel Energie vorhanden sein muss, wie zu einem Zeitpunkt t am Netz verbraucht wird. Sprich, es muss immer ein Überangebot produziert werden, damit immer genug Energie vorhanden ist. Um die Energie richtig zu verteilen und genügend zur Verfügung zu haben, gibt es eine Art Strombörse. Nun gibt es immer wieder so genannte Peaks, Energieverbrauchsspitzen. Manche, wie mittags zur Essenszeit oder abends, wenn die Leute zu Hause Fernsehen usw. einschalten, aber auch immer wieder unerwartete Peaks. In solchen Fällen muss schnell reagiert und Energie eingespeist werden. Dafür sind z. Bsp. Kohlekraftwerke sehr gut zu gebrauchen. Diese können relativ schnell Energie herstellen. Oder auch so genannte “Sturzwasserkraftwerke” für Spitzenlasten. Die erneuerbaren Energien wie Windenergie oder Solarstrom haben dabei das Problem, dass die Energiebörsen mit ihnen nur sehr schlecht rechnen kann. Man kann nie wissen ob zwischen 11 Uhr und 14 Uhr mittags, wenn die Küchen ihre Herde anschmeißen an Position xy auch genug Wind vorbeirauscht, um die Windräder anzutreiben. Oder ob sich nicht gerade eine dicke Wolke vor die Sonne schiebt, um den Solarzellen ihre Energiezufuhr zu nehmen.

Ich bin der Meinung, dass nur ein Energiemix aus allen Energien, dazu gehört auch zum Teil Atomkraft und Kohlekraft, eine sinnvolle Lösung ist. Natürlich sollte in jedem Fall eine sichere Lagerung des radioaktivem Abfalls sichergestellt sein! In den nächsten Jahrzehnten, so sagten Forscher in einer Ringvorlesung an der TU Darmstadt zum Thema Klimafolgenforschung (Klimatologie) vor einiger Zeit, wird der Anteil an Kohlekraft so oder so stark ansteigen. Die Atomenergie wird prozentual weiter abnehmen. Wollte man weltweit den prozentualen Anteil von Atomenergie zum Gesamtstromverbrauch nur gleich halten, müssten weltweit bis ca. 2050 weit über 40 neue Atommeiler gebaut werden, was selbst Atombefürworter für nicht möglich halten. Bei Bauzeiten von 20-30 Jahren ist dies auch nicht zu schaffen, mal davon abgesehen, dass viele Projekte nach 20-30 Jahren abgebrochen werden, weil das Kraftwerk, wenn es an den Start gehen würde, bereits veraltet wäre und sich die Kosten nicht mehr rechnen.

Schreibt mir Eure Meinung auf, was haltet ihr von Atomenergie und Atomausstieg und erneuerbaren Energien?

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