In meinem letzten Artikel vom 11. Juli schrieb ich über Analogkäse und Gel-Schinken, Imitate die nur vortäuschen das zu sein, wofür sie sich ausgeben. Mehr Schein als Sein.
Es gibt jedoch noch viel mehr Lebensmittel die mit Imitaten, Ersatzstoffen, Aromastoffen und anderen Tricks gestreckt oder verändert wurden, um das Lebensmittel so günstig wie möglich anzubieten. Wie schon im letzten Artikel erwähnt, ist das auch indirekt eine Folge der sehr günstigen Lebensmittelpreise in Deutschland (im Europavergleich) und dem Kaufverhalten der Kunden.
Die Verbraucherzentrale Hamburg schreibt:
Denn nicht nur mit „Analogkäse“ und „Schinkenimitaten“ müssen die Konsumenten rechnen, sondern auch mit gestrecktem Pesto oder Schokoladenkeksen ohne Schokolade. Und das nicht nur bei den Billigmarken, sondern auch bei teureren Markenartikeln. Die Befürchtung der Verbraucherzentrale: Durch das Absenken der Standards kann allgemein die Qualität sinken. Lassen Sie daher Produkte im Regal liegen, die Echtes vortäuschen. Wenn Sie sich über weitere Produkte geärgert haben: Bitte schicken Sie uns eine E-Mail: ernaehrung@vzhh.de
Ein gutes Beispiel für einen weit verbreiteten Imitatstoff, den wir inzwischen wie selbstverständlich kaufen ist Vanillinzucker. Eigentlich geht es um Vanille, dem Stoff aus der Vanilleschote. Die Vanilleschote ist die Frucht einer Pflanze aus der Gattung der Orchideen. Vanillin ist das der echten Vanille nachempfundene Aroma aus dem Labor. Kaufen wir z. Bsp. Vanillezucker Vanillinzucker in Tüten für einen Kuchen, so handelt es sich um mit Vanillin-Aroma versetzten Zucker.
Tipp: Besser ein oder zwei einzelne Vanilleschoten kaufen, diese halbieren und in ein kleines Glas mit Zucker stecken und einige Zeit stehen lassen. Der Zucker nimmt das Aroma an und schmeckt viel intensiver. Außerdem halten die Schoten im Glas so lange, dass es viel günstiger ist, als Vanillinzucker zu kaufen.
Andere Imitate sind wesentlich unappetitlicher. Ich hörte z. Bsp. auf der Seite der Verbraucherzentrale Hamburg zum ersten mal von Schokoladenersatz. Da ist keine Kakaobohne drin oder Kakaobutter wie in richtiger Schokolade, sondern irgendwelche Kakaoersatzstoffe und Pflanzenfett.
Ähnlich sieht es aus mit Formschinken. Da ist zwar echter Schinken drin, aber normalerweise besteht der Schinken aus einem ganzen Stück aus der Keule (Beckenregion) des Schweins. Der Formschinken – oft beim Metzger gut zu erkennen an dem Schinken der so “Ringe” vom Zusammenschnüren in der Haut hat – hingegen besteht aus mehreren Reststücken von Schinken verschiedener Tiere.
Wie ich bei der Verbraucherzentrale lesen konnte scheint es auch Pesto-Imitat zu geben. Statt gutem Olivenöl und den normalerweise üblichen Pinienkernen sind da andere Zutaten wie Cashewkerne und Sonnenblumenöl drin.
Meist benötigen die Billig-Lebensmittel noch viel Zusatzstoffe wie Aromen, Farbstoffe und Geschmacksverstärker um den natürlichen Produkt ähnlicher zu sein. In diesem Zusammenhang ist auch das in Asien als Gewürz natürlich verwendete Glutamat in Verruf gekommen. Es wird häufig eingesetzt um den fast nicht vorhandenen und faden Geschmack der Billigprodukte aufzuwerten.
Es lohnt sich also in jedem Fall einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen, auch wenn man etwas mehr Zeit benötigt. Natürlich braucht man etwas Erfahrung um so eine Zutatenliste lesen zu können, jedoch lernt man mit der Zeit auf gewisse Stoffe zu achten.
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