Viele Verbraucher haben es in den letzten Wochen in den Medien gehört, Analog-Käse ist im Umlauf. Nun ist vor kurzem auch zu hören, dass künstlicher, so genannter Gel-Schinken die Runde macht.
Beide sind im Labor ausgetüftelte und billig hergestellte Imitate, die mit dem eigentlichen Lebensmittel nichts mehr zu tun haben. Gut für die Industrie, billig für die Gastronomie und schlecht für den Verbraucher. Die Lebensmittel sind nicht gesundheitsschädlich, jedoch fehlt ihnen nahezu jeder gute Nährstoff wie z. Bsp. Vitamine oder sonst enthaltene Spurenelemente. Der Analog-Käse z. Bsp. besteht nur aus pflanzlichem (statt tierischem) Eiweiß und ist mit einigen Aromen und etwas Farbstoff (Betakarotin) versetzt, so dass er aussieht wie richtiger Käse und ihm im Geschmack ähnelt. Mit dem Milcherzeugnis hat er jedoch nichts zu tun.
Gleiches gilt für das Schinkenimitat. Von Kochschinken keine Spur. Reine Gelee-Masse mit einigen Fleisch- und Fettstückchen gefüllt wird er als Schinkenersatz verkauft.
Das Problem bei der Sache ist nicht, dass es gesundheitsschädlich wäre und vom Markt muss. Das Problem ist, dass die Verbraucher nicht an der Nase herumgeführt werden wollen und man etwas vorgesetzt bekommt, was es gar nicht ist. Ein weiteres Problem ist, dass sich beide Produkte oft (um günstig herstellen zu können) in der Lebensmittelproduktion wiederfinden. So wird beim Bäcker gerne auch Käsebrötchen mit überbackenem Analog-Käse verkauft ohne dabei den Verbraucher in Kenntnis zu setzen. Oder das Schinkenimitat kommt dann als Kochschinken auf die Pizza – von Transparenz für den Kunden keine Spur.
Um der Transparenz ein wenig auf die Sprünge zu helfen hat die Verbraucherzentrale Hamburg eine kleine Liste mit Nepp-Käseprodukten (PDF) ins Netz gestellt. Interessanterweise befindet sich darunter auch ein Produkt der bekannten Kette Ditsch.
Zum Teil ist, meiner Meinung nach, der Kunde auch ein wenig selbst schuld. Wir gehen in den Supermarkt, greifen automatisch zum günstigen Produkt. Wir nehmen uns nicht die Zeit zu hinterfragen was da drin sein könnte, schauen nicht auf die Verpackung oder die Inhaltsstoffe. Ich habe mich selbst schon ein mal ertappt. In einem der günstigen Supermärkte hier um die Ecke war ich einkaufen und in meinem Rucksack befand sich dann eine Packung Salami. Praktisch abgepackt in einer kleinen viereckigen Kunststoffverpackung, einige Scheiben. Irgendwie bekam ich nach dem Essen jedoch einen Ekel auf diese Salami. Es gibt von derselben Marke noch eine Cervelatwurst. Beide sehen sich ziemlich ähnlich. Sind dick und rund ausgestanzt und der Inhalt ist klein und fein zermahlen. Die Salami in der Packung unterscheidet sich kaum von der digital abgedruckten Variante auf der Packung. Irgendwie eklig. Von gutem Geschmack und Natürlichkeit keine Spur. Der Verbraucher will nur noch konsumieren und das so günstig wie möglich. Deutschland hat immerhin mit die günstigsten Lebensmittelpreise in Europa.
Wer also nicht bereit ist mehr für sein Produkt auszugeben, muss auch damit rechnen minderwertige Ware vorgesetzt zu bekommen. Hart, aber leider wahr! Ähnlich sieht das auch der Starkoch Vincent Klink (s. Quellen).
Im Fernsehen habe ich vor kurzem einen Bericht darüber gesehen. Da hatte der Moderator eine Tüte aus einem Großhandel (für die Gastronomie) in der Hand auf der stand “Pizza Mix”. Es handelte sich dabei um Käseimitat. Der Analog-Käse sah aus wie echter Käse, fertig gerieben für Pizzas, ist jedoch keiner.
Inzwischen soll es auch Shrimps geben, die keine sind sondern aus Fischeiweß oder so etwas ähnlichem gepresst werden. Einfach widerlich, finde ich, zu wissen, dass man nicht das echte Produkt vor sich hat, sondern irgendetwas anderes isst.
Auch die Organisation Foodwatch hat auf ihrer Webseite einen Artikel zum Thema Schinken-Imitat veröffentlicht. Bekannst ist Foodwatch aus der Untersuchung vor einiger Zeit zur Uranbelastung von Mineralwässern in Deutschland, über die ich auch berichtete.
Quellen und weiterführende Artikel
“Das ist kriminell” – Vincent Klink im Spiegel-Online-Interview
“Auf Pizza ist oft nur Schein-Schinken” @netzeitung.de
“Schinken Schummelei erzürnt Verbraucher” (mit Video) @stern.de
“Verbraucherschützer decken Lebensmittel-Tricksereien auf” @spiegel.de
“Kunstkäse” @de.wikipedia.org
Google-Video-Suche zum Thema Analogkäse
Lebensmittelimitate im Supermarkt @netzeitung.de
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