
Putzutensilien, die man vielleicht nicht braucht
Wir, die wir das Glück haben in einer westlichen Demokratie, in einem Industrieland mit hohen Standards zu Hause zu sein, leben meist zu sauber Was sich auf den ersten Blick wie ein Irrtum anhört, denn kann man “zu sauber” leben, ist auf den zweiten Blick eine wichtige Wahrheit die den meisten von uns nicht bewusst ist. In der Kindheit bereits durchleben wir nach der Freudschen Triebtheorie mehrere Phasen, unter anderem auch die so genannte Anale und Orale Phase. Wir beschäftigen uns mit uns, unserem Körper und unserer Umwelt. Durch unseren westlichen und sauberen Lebensstil werden wir oft von unseren Eltern in diesen Phasen angehalten und angelernt uns entsprechend sauber zu verhalten (“das macht man nicht” oder “nicht, das ist doch bäh”). Einerseits sinnvoll, weil wir lernen uns sauber und gesittet zu verhalten, ein Schutz vor Parasiten und Gefahren ist es andererseits in den westlichen Ländern oft ein übertriebener Sauberkeitswahn, der dem Körper mehr schadet als nutzt.
Wichtig zu wissen dabei ist zunächst, dass der menschliche Organismus Bakterien und Viren braucht. Direkt nach der Geburt beginnt ein Lernprozess. Unsere Abwehr lernt mit Viren umzugehen, erinnert sich an Viren die den Körper schon ein mal befallen hatten und baut somit einen Schutz gegen diese Viren auf. Deswegen kann der Körper, wenn wir von ein und demselben Virus noch ein mal befallen werden, meist sehr schnell reagieren, Antikörper produzieren und die Viren in Schach halten und vernichten.
Mit Bakterien verhält es sich ähnlich. Das bedeutet natürlich für unsere Kinder, dass wenn wir sie zu sauber halten, ihnen verbieten im Sandkasten oder im Dreck zu spielen, dem Körper die einmalige Chance nehmen eine gute und geeignete Abwehr aufzubauen um im späteren Alltag des Lebens und in Großstädten zu bestehen.
Viele Bakterien übernehmen sogar eine wichtige Funktion. So sind z. Bsp. Bakterien die auf unserer Haut leben ein erster Schutz gegen bösartige Fremdkörper. Viele gehen an dieser ersten Abwehrbarriere des Körpers bereits zugrunde.
Bakterien – vom Mutterleib zur Darmflora

Coli-Bakterien (Quelle: planet-schule.de)
In unserem Darm befinden sich unzählige, Millionen von Bakterien die sich dort direkt nach der Geburt eingenistet haben. Wenn wir im Mutterleib heranreifen ist unser Magen-Darm-System rein. Während eines natürlichen Geburtsvorganges, das heißt beim Pressen des Kindes durch den Geburtskanal, nimmt der Fötus automatisch Bakterien aus dem Scheidenbereich der Frau auf. Diese Bakterien wandern über den Rachenraum bis in den Darm und besiedeln ihn dort. So hat jeder Mensch eine eindeutige Bakterienflora im Darm. Ihre Zusammensetzung ist so individuell wie der menschliche Fingerabdruck. Das ist auch ein Punkt um sich gegen einen Kaiserschnitt zu entscheiden. Kinder die durch einen Kaiserschnitt geboren werden, müssen diese wichtigen Bakterien von außen zugeführt bekommen und zeigen oft in ihrem späteren Leben eher Anzeichen für Allergien.
Darmbakterien sind auch wichtig für die Verdauung, da sie in Symbiose mit uns leben. Sie bilden teilweise Vitamine (B12, Biotin) und verhindern (durch Konkurrenz), dass sich krankmachende Bakterien ansiedeln können.
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