Vermutlich fehlende Verbindung zwischen Affen und Menschen gefunden

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Der Fus des Fossils - Quelle: ZDF

Der Fuß des Fossils - Quelle: ZDF

Inzwischen gilt die Darwinistische Evolutionstheorie als wissenschaftlich fundiert. Sie ist eigentlich so gut erforscht, dass sie nicht (zumindest nicht mit den aus der Bibel abgeleiteten Ideen der Kreationisten) widerlegbar ist. Dennoch ist es so, dass nicht alle Einzelheiten und damit nicht zweifelsfrei die Verbindung von Affen zum Menschen bewiesen ist. Sie ist nur sehr sehr wahrscheinlich, jedoch fehlte – bis jetzt – ein Verbindungsglied von den Affen zum Homo sapiens sapiens und den anderen Homo-Arten (Homo erectus, Homo heidelbergensis, Homo neanderthalensis, usw.).

Da ist es umso erstaunlicher, dass ausgerechnet jetzt, zum Darwin-Jahr, zum 200. Geburtstag von Charles Darwin, ein solcher Fund an die Öffentlichkeit gelangt. Wie das ZDF auf seiner Webseite zur Sendung TerraX – Die geheime Entdeckung schreibt, wurde der “Ida” getaufte Fund bereits vor 28 Jahren entdeckt und ist vermutlich 47 Millionen Jahre alt. Damit stellt er das bisher älteste Fundstück in der Evolutionsgeschichte des Menschen dar. Das Fossil wurde von einem anonymen Sammler in der Grube Messel bei Darmstadt, welche zum Unesco Weltkulturerbe gehört, ausgegraben und war bis vor etwa zwei Jahren unentdeckt im Privatbesitz des Sammlers. Erst als er es vor zwei Jahren zum Verkauf anbot, kam es über Umwege zum norwegischen Paläontolgen Jörn Hurum und dieser wiederum wandte sich an Dr. Franzen. Zwei Jahre lang wurde das Fossil untersucht von der Knochenstruktur bis zum Mageninhalt. Dabei wurde bei dem Fund, welcher zwischen der Halbaffenart Lemuren und dem Menschen anzusiedeln ist z. Bsp. als Bindeglied ein für den Menschen typischer Knochen am Sprunggelenk entdeckt.

Das ZDF schreibt weiter:

Am Ende ihrer langwierigen Untersuchung steht für sie außer Zweifel, dass Ida – wie sie das Fossil getauft haben – tatsächlich der älteste bisher bekannte Vorfahre des Menschen ist. Möglicherweise ist es sogar ein Missing Link, das zwei unterschiedliche Entwicklungslinien im Stammbaum der Primaten miteinander vereint. Über das Missing Link wird es nach Franzens Meinung noch heftige Diskussionen geben. “Da sind viele Kollegen auf der ganzen Welt, die sich über Ida auch hermachen werden und darüber heiß diskutieren werden. Aber wir können die wissenschaftlichen Debatten jetzt auf einer ganz neuen Grundlage führen.”

Ich bin gespannt was davon in nächster Zeit noch zu hören ist.
Die Terra X Sendung vom ZDF wird am 31.05.2009 um 19:30 Uhr ausgestrahlt. Kurze Zeit später ist die Sendung vermutlich auch in der ZDF Mediathek zu finden.

Liste der Quellen und Links auf einen Blick

TerraX – Die geheime Entdeckung @terra-x.zdf.de
Webseite zum Darwin-Jahr @darwin-jahr.de
Webseite der Grube Messel @grube-messel.de
Liste des Unesco Weltkulturerbes @unesco.de

Nachtrag (20.05.2009)

Gestern hat Spiegel Online ebenfalls einen Artikel zum Thema mit dem Titel “Forscher finden frühen Ahnen von Affe und Mensch” veröffentlicht. Was auf der ZDF Seite nicht zu lesen ist, findet sich dort: Eine deutliche Kritik am Vorgehen und der Art der Veröffentlichung der Daten. Spiegel Online kritisiert, dass das gefundene Fossil gar keine Verbindung zwischen Affe und Mensch sein kann, sondern nur ein Vorfahre zu den Affenarten an sich, zu denen neben dem Mensch auch die anderen Affenarten wie Menschenaffen usw. gehören. Das Verbindungsglied ist also deutlich früher anzusetzen, als bei der Auftrennung zwischen Mensch und Affe. Spiegel Online schreibt:

Dabei ist die Verwendung des Begriffs Missing Link PR in Reinform. Obwohl es eine Menge Missing Links in der Evolution gibt, verstehen viele Menschen darunter eines: das von Wissenschaftlern seit langem gesuchte evolutionäre Verbindungsglied zwischen Affe und Mensch. Sozusagen der Heilige Gral der Paläontologie.

Eins aber ist schon jetzt klar: Darwinius ist – wenn er überhaupt einer ist – sicherlich nicht dieser Missing Link. Affen und Menschen trennten sich vor etwa fünf bis zehn Millionen Jahren. Hier geht es um den letzten gemeinsamen Vorfahren von Feuchtnasenaffen und Trockennasenaffen. Erstere Gruppe umfasst Tiere wie Lemuren, Makis und Loris. Letztere alles, was man eigentlich unter Affen versteht – den Menschen inklusive. Zugegeben: Feuchte und trockene Nasen lassen sich etwas schlechter vermarkten. [...]

Der Vorgang ist ein Beispiel für die zunehmende Vermarktung wissenschaftlicher Erkenntnisse. [...]

Normalerweise wird eine Forschungsarbeit bei einem Fachmagazin eingereicht, wo sie vor der Veröffentlichung von anderen Experten geprüft wird. Dieser Prozess der “Peer Review” kann mehrere Monate dauern, für diese Zeit verhängt das Magazin ein Informationsembargo. Die Forscher dürfen nicht über ihre Arbeit sprechen. Die Praxis ist bei vielen Fachmagazinen üblich und hat das Ziel, die Verbreitung ungeprüfter und womöglich falscher wissenschaftlicher Fakten zu verhindern.

Das wirft natürlich ein ganz anderes Licht auf die Geschichte. Von daher ist der Fund sicherlich wissenschaftlich interessant, also auch hier für das Blog geeignet, jedoch ansonsten nicht so spektakulär wie der “Star” vermarktet wird.

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