Der neue Personalausweis, der eigentlich schon für Ende 2008 geplant war, wird wohl erst 2009 kommen. Dann aber ohne die Pflicht zur Abgabe der Fingerabdrücke – diese bleibt freiwillig.
Schäuble hat hier eine Niederlage erlitten, denn er hätte gerne die Fingerabdrücke mit drauf gehabt. Außerdem wird bei dem neuen Personalausweis im scheckkartenformat auch ein Bild erforderlich sein, dass die Erfassung biometrischer Merkmale möglich macht. Diese werden dann auf dem Chip gespeichert, vermutlich wie beim neuen Reisepass über einen integrierten Chip.
Wie golem.de schreibt, wird von der Innenpolitischen Sprecherin der FDP, Gisela Piltz, der freiwillige Fingerabdruck als Trick bezeichnet. Es wird befürchtet, dass es u.U. in Zukunft zu einer art zwei-klassen Gesellschaft kommt, also eine Unterscheidung bei der Nutzung des Personalausweises stattfindet, je nachdem ob der Fingerabdruck abgegeben wurde oder nicht.
Ich persönlich halte dies für nicht sonderlich wahrscheinlich. Der Fingerabdruck ist freiwillig und wird höchst wahrscheinlich vermehrt von den einzelnen Ämtern über die digital verknüpften Datenbank des Bundes und der Länder genutzt werden. Zum Beispiel beim Abgleich wegen Straftaten.
In der Öffentlichkeit wird es, denke ich, zu keiner “Spaltung” führen, schließlich wird die Polizei bei einer Ausweiskontrolle auf der Staße niemanden mitnehmen, weil dieser keinen Fingerabdruck auslesbar im Pass hat.
Was mich viel mehr stört ist die Tatsache, dass z.Bsp. die biometrischen Daten im Pass dafür genutzt werden können, automatisiert über elektronische Anlagen Personen zu erkennen. Laut unser Professorin Claudia Eckert, Leiterin des Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) aus der Vorlesung “IT-Sicherheit”, ist es momentan noch nicht Stand der Technik, Gesichter im großen Maße und dynamisch bspw. in sich bewegenden Menschenmengen zu erkennen. Demgegenüber steht allerdings die Aussage und Entwicklung von Firmen, die es angeblich geschafft haben sollen dynamisch in sich bewegenden Menschenmassen Gesichter zu erkennen. Die Technik hat sich seit ich die Vorlesung hörte weiter entwickelt. Am Hauptbahnhof Mainz führte das BKA vor über einem Jahr ein Forschungsprojekt mit automatischer Gesichtserkennung und mehreren Kameras im Eingangsbereich druch, um eine Fotofahndung1 zu testen. Die Technik wäre nicht so schlecht, wenn das BKA sich dazu verleitet damit einen Test durchzuführen. Allerdings ist fraglich inwiefern sie wirklich schon im großen Stil einsatzfähig ist.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verknüpfung von unterschiedlichen Datenbanken verschiedener Behörden, die relativ einfach elektronisch auf die Daten zugreifen können, wie im golem.de-Artikel der Rechtsanwalt und Bürgerrechtler Patrick Breyer ausführt:
Derzeit werden von jeder Person, die einen Reisepass oder Personalausweis beantragt, sämtliche Angaben einschließlich des Lichtbilds aufbewahrt und in sogenannten Pass- und Personalausweisregistern 15 Jahre lang vorgehalten. Eine unbestimmte Vielzahl von Behörden kann die Daten einsehen. Seit November 2007 sind die örtlichen Register zudem elektronisch verknüpft. Polizei- und Ordnungsbehörden haben einen direkten Onlinezugriff auf die Personalien und Fotos praktisch der gesamten Bevölkerung
Mit den biometrischen Daten in Personalausweisen, die dann nach und nach von jedem Bürger elektronisch gespeichert sind, wäre eine umfassende Personenfahndung praktisch der gesamten Bevölkerung möglich.
Was ist der Nachteil von Fingerabdrücken als Erkennungsmerkmal?
Eigentlich hat der von der Polizei immer wieder benutzte Fingerabdruck als biometrisches Erkennungsmerkmal durch seine Vielzahl von Problemen seine Berechtigung verloren. Der Fingerabdruck ist eindeutig und er kann zur Identifizierung genutzt werden. Das ist richtig, doch ergeben sich einige Probleme bei der vermehrten Nutzung des Abdrucks zur Authentifizierung:
- Die Qualität und Eindeutigkeit des Abdrucks misst sich an den gefundenen und gut abgedruckten besonderen Merkmalen. Diese entstehen durch die zufällige Ausbildung der Minutien (die feinen Rillen auf der Haut der Finger). Werden also, bspw. bei einem Bauarbeiter durch angegriffene Finger oder auch bei Narbenbildung nur sehr wenige Minutien als Merkmale erkannt, kann es sein, dass ein anderer Fingerabdruck sehr ähnlich bzw. als identisch erkannt wird.
- Ein hoher Einsatz des Fingerabdrucks zur Erkennung (bspw. zur Authentifizierung an Rechnern, Zutrittskontrollen, etc.) führt u.U. dazu, dass Menschen gleich der ganze Finger abgenommen und zum Zutritt benutzt wird
- Der CCC zeigte bereits im Herbst 2004 mit einer online verfügbaren Bauanleitung, wie einfach ein Fingerabdruck nachgebaut und damit auf Fingerabdrucklesegeräten zur Authentifizierung missbraucht werden kann.
- Stelle dir folgendes Szenario vor: dein Auto besitzt keinen Schlüssel mehr, sondern einen Fingerabdruckleser als Ersatz. Du bist rechtshänder und hast deinen rechten Zeigefinger zur Authentifizierung gespeichert. Dein Auto ist geparkt und Du gehst in der Stadt einkaufen. Durch einen unglücklichen Unfall geht dir dein rechter Zeigefinger verloren. Angenommen der Zeigefinger ist platt, nicht mehr annähbar und damit verloren. Wie kommst Du dann an dein Auto? Es gibt heute schon Autos die bspw. nur mit Fernbedienung elektronisch zu öffnen gehen. Sie sind nicht mehr mit dem Schlüssel aufzuschließen. Ist die Batterie der Fernbedienung leer oder die Elektronik kaputt, hat man ein Problem.
- Was wäre, wenn der Fingerabdruck des rechten Zeigefingers ein Standarderkennungsmerkmal würde, z.Bsp. zur Identifizierung am Geldautomat und ein Mensch verliert seine Hand, seinen Finger oder ist vielleicht durch eine Behinderung wie dem Spasmus nicht in der Lage seine Hand im normalen Maße zu benutzen. Diese Menschen würden ausgeschlossen werden.
Außerdem stört mich das Scheckkartenformat des neuen Ausweises. Der alte Ausweis ist zwar relativ groß, hat aber den Vorteil, dass er aus dünnem beweglichen Material besteht, was ihn leicht im Portemonnaie unterbringen lässt und damit auch durch das Aufbewahren in der Gesäßtasche und die entstehende Biegung nicht, wie bspw. EC-Karten, sofort defekt ist. Da sich der Preis durch die neue Technologie sicher erhöhen wird, wäre es sehr ärgerlich, wenn man einen durch Biegung defekten Ausweis alle paar Monate vor dem Ablaufdatum erneuern müsste.
Einige Vorteile bietet ein Ausweis mit biometrischen Daten allerdings schon. Er ist natürlich mit neuerer Technologie fälschungssicherer. Sofern die Elektronik (z.Bsp. digitale Signatur in einem Chip und digitale Ablage der biometrischen Daten) richtig eingebaut und gesichert ist. Lässt sich diese einfach auslesen bzw. im Chip überschreiben, kann ein Ausweis von einer Person leicht auf eine andere umgestellt werden. Das wäre das größte Problem, da alle Überprüfungen die als Sicherheit im Chip eingebaut sind (Fingerabdruck, biometrische Daten) dann ein korrektes Ergebnis, trotz falscher Identität bieten würden.
In der Netzeitung finden sich zum neuen Personalausweis noch folgende grundlegende Informationen:
Die neuen Ausweise im Scheckkartenformat sollen dann ab 2009 ausgegeben werden. Ein genaues Datum gibt es aber noch nicht. Der neue Ausweis soll noch besser vor Fälschung geschützt sein. Für mehr Sicherheit sollen die biometrischen Gesichtsmerkmale sorgen, die wie beim Reisepass über ein frontal aufgenommenes Foto erfasst werden. Über ein Zusatzgerät soll man den Ausweis mit seinem Computer verbinden und sich so im Internet ausweisen können. Das kann bei einigen Online-Geschäften hilfreich sein, etwa bei der Beantragung eines Kredites bei einer Bank.
Warum eine nationale digitale Identität in Zukunft wichtig wird
Was heute fehlt ist eine eindeutige digitale Identität. Man kann sich Schlüssel und digitale Signaturen erstellen lassen die aber, sofern sie personalisiert und vertrauenswürdig sind, Geld kosten. Es fehlt eine wirkliche Identität, die jeder Bürger hat. Wichtig wird diese Identität in Zukunft in zunehmendem Maße, da immer mehr Geschäfte online abgewickelt und Vertragsdaten digital abgelegt werden. Ein Vertrag kann ich heutzutage nicht digital vorhalten. Der Vertragsnehmer muss eigenhändig unterschreiben. Die Einführung einer digitalen Signatur auf dem Personalausweis würde es möglich machen mit einem entsprechenden Endgerät den Ausweis zur digitalen Unterschrift zu nutzen. Somit wären auch Bestellungen im Internet, die die eindeutige Authentifizierung der Identität benötigen damit realisierbar.
Was jedoch fraglich bleibt: wie soll das überprüft werden? Wie teuer sind entsprechende Endgeräte und wie will die Bundesregierung zum Beispiel für Online-Geschäfte eine Infrastruktur zur Verfügung stellen, die solch eine Überprüfung leistet. Schließlich muss eine Stelle die Richtigkeit einer Identität (und die Gültigkeit des Ausweises und der Signatur) gewährleisten. Sonst würde ein verlorener Ausweis einem Finder u.U. Tür und Tor zum Missbrauch öffnen. Wie schwierig es ist eine gute und sichere Infrastruktur zur Verfügung zu stellen zeigt das weltgrößte Projekt – die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Diese Einführung betrifft quasi ganz Deutschland mit Ausnahme einiger weniger und ist somit das größte Projekt in diesem Bereich.
Mein Tipp: schnell zum Amt und einen neuen Ausweis holen
Noch sind die neuen Personalausweise nicht ausgegeben. Deshalb würde ich jeder Person anraten deren Ausweis bereits abgelaufen ist sich so schnell wie möglich einen neuen zu besorgen, noch bevor 2009 der Ausweis mit biometrischen Merkmalen eingeführt wird. Egal ob Gegner oder Befürworter, der Ausweis wird Kinderkrankheiten haben und es ist u.U. sinnvoll die erste Generation des Ausweises abzuwarten und sich dann nach einigen Jahren eine aktualisierte Version anzuschaffen.
Wer möchte schon mit einem Ausweis in der Tasche rumlaufen der u.U. schwere Sicherheitslücken aufweist und damit zum Identitätsklau genutzt werden könnte.
Alle die noch einen gültigen Ausweis haben, könnten bei Verlust einen neuen beantragen. Dafür müsste man natürlich erst mal seinen Ausweis verlieren.
Fußnoten
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