Nein, ich bin kein genereller Atomgegner, auch wenn mir die Risiken wohl bewusst sind und die Atomenergie wird nicht nur in Deutschland sterben, weil die Bundesregierung den Ausstieg geplant hat.
Generell wird in den nächsten Jahrzehnten weltweit die Atomenergie an Wichtigkeit und Präsenz abnehmen und vermutlich auf Dauer sogar ganz verschwinden. Momentan läuft an der TU Darmstadt eine Ringvorlesung zum Thema Klimawandel. In einem der vergangenen Vorträge wurde klar dargelegt, dass die Atomenergie auf Dauer nicht zu halten ist.
Der Stromverbrauch steigt weltweit immer weiter an, schon alleine deswegen, weil die Weltbevölkerung steigt und die nicht bis leicht industrialisierten Länder ihren Lebensstandard und damit auch die Stromversorgung aufstocken. Wollte man nun den weltweiten prozentualen Anteil der Atomenergie am gesamten Strombedarf weltweit halten, müsste man in den nächsten Jahrzehnten (ich glaube Zielpunkt war etwa 2050) ca. 400 neue Atomkraftwerke bauen.
“Selbst unter Atombefürwortern, ist dies eine utopische Vorstellung“, wie der Dozent darlegte. Das heißt also, dass der Anteil der Atomenergie an der Gesamtstromproduktion weltweit in Zukunft weiter abnehmen und an Bedeutung verlieren wird.
Eine viel wichtigere Rolle wird in Zukunft dagegen die Kohle spielen. Sie ist zwar weitaus umweltschädlicher für die Luft (Stichwort Feinstaub) und ebenfalls ein fossiler Brennstoff, bietet jedoch einige Vorteile:
- Kohle hat einen guten Energiekoeffizienten – sie bringt also im Verhältnis zur Masse viel Energie
- Kohlekraftwerke bringen sehr schnell in kurzer Zeit, viel Strom. AKW hingegen benötigen eine lange Vorlaufzeit, um richtig in Gang zu kommen. Das ist problematisch, da auf dem Stromnetz genau soviel Strom zum Zeitpunkt t verfügbar sein muss, wie gleichzeitig benötigt wird. Es wird also immer ein kleiner Überschuss produziert. Auf kurzfristige Nachfrage kann jedoch am besten mit einem Kraftwerk reagiert werden, dass in kurzer Zeit schnell Energie liefern kann.
- Alleine momentan werden mehrere neue Kohlekraftwerke (nicht nur in Deutschland) gebaut, die Nachfrage steigt und in einigen Jahren wird wohl die Konkurrenz und Nachfrage nach Kohle ähnlich in die Höhe steigen, wie bei anderen Brennstoffen.
In der Netzeitung ist zu lesen, dass durch den hohen Ölpreis (der unter anderem durch Rohstoff-Fonds bei denen Privatanleger spekulieren stark angezogen ist) die G8-Staaten beschlossen haben, darauf zu reagieren in dem z.Bsp. etliche Teilnehmer auf Kernenergie setzen.
Sogar Länder wie Schweden setzen wieder vermehrt auf Kernenergie. Ist nur die Frage ob uns unsere Position eher eine Außenseiter- und damit Problemposition bescherrt oder ob wir dadurch eher in eine positive Alternative und Unabhängigkeit geraten. Auf jeden Fall finde ich es unsinnig weiter so verstärkt auf Atomenergie zu setzen, da diese Form der Energiebeschaffung einfach überholt ist.
Erneuerbare Energien und heterogene Strukturen sind die Zukunft. Das bedeutet nicht, dass man u.U. nicht auch Atomenergie (Stichwort Fusionsenergie) weiter entwickeln könnte. Jedoch ist m.M. nach die klassische Atomenergie überholt.


Letzte Kommentare